Sinn oder Unsinn? - Massage-Seminar für den Hund
Manch einer findet Hundebeschäftigungen wie Dog Dancing, Flyball oder Agility schon einfach gesagt, überflüssig und belächelt diese Hundebeschäftigungen. Was also soll man von Hundemassage halten?
Jetzt spinnen ein paar Hundebesitzer ganz, werden diejenigen wohl denken. Es gibt aber immer mehr Hundebesitzer, die sich gründlich informieren, was ihrem Tier gut tut. Es sind Hundebesitzer, die sich damit beschäftigen, wie sie ihrem tierischen Familienmitglied gerecht werden können, denn ein Hund begleitet seinen Menschen eine lange Zeit, und ist sein ganzes Leben lang 100%ig auf ihn angewiesen. Die Massage dient nicht nur Berufshunden wie Dienst-, Rettungs- und Sporthunden, sondern kann auch dem Familienhund eine stärke Bindung, Stressabbau und Entspannung sein. Und sogar wie beim Menschen, unterstützende Behandlung von chronischen Krankheiten sein.
Deshalb war auch das Interesse am Massagewochenende am 14./15. Januar 2006, veranstaltet von dem HSV Tierheim Hoppers im Tierheim Reutlingen, groß. Es konnten 10 Mensch-Hund-Teams teilnehmen, so war es möglich auch auf individuelle Themen einzugehen. Seminarleiterin war Jutta Joos, Physiotherapeutin aus Emmendingen. Ihre Ausbildung hat Jutta für die menschliche Physiotherapie absolviert. Das ist auch die Grundvoraussetzung für eine sinnvolle Erweiterung dieses Metiers auf Tiere.
Ein „tierischer" Physiotherapeut sollte immer eine Ausbildung im Humanbereich genossen haben, denn das Wissen über die Skelett-, Muskel- und Körperfunktionen ist in den meisten Bereichen vom Menschen auf den Hund übertragbar.
Das Seminar war in mehrere Bereiche gegliedert:
- Theorie
- Praxis
- Tastbefunde
- Ganganalyse
Stellt man sich jetzt jedoch vor, dass Jutta vor einem sitzt und die Teilnehmer sich trockene Theorie anhören müssen, hat man sich getäuscht! Von Anfang an verstand Jutta es, alle Anwesenden mit einzubeziehen.
Den Menschen wurde das verschüttete Wissen über Skelett, Knochen, Wirbelsäule, Arme und Beine (= Extremitäten), Muskeln, Körperregionen (Kopf, Hals, Brust usw.), Funktionssysteme (Atmung, Verdauung, Herz-/Kreislauf usw.), und die Haut nicht zu vergessen, entlockt. Manch einer hat sich über sich selbst gewundert, was man auf seinen vergangenen Schulzeiten noch wusste. Die Hunde, die allesamt ordentlich neben ihrem Hundeführer lagen, dienten ab und an als Anschauungsobjekt, und lauschten ansonsten andächtig der Referentin. Pausen wurden natürlich in regelmäßigen Abständen gemacht, damit Mensch und Tier wieder fit für den jeweils folgenden Teil waren.
Im Praxisteil durften zuerst die Menschen jeweils ein Zweierteam bilden. Unter Anleitung von Jutta genoss immer ein Partner die Massagetechniken am eigenen Körper. Wichtig war hierbei die Rückmeldung an den „Masseur“. Der Hund, der ja anschließend massiert werden sollte, kann dem menschlichen Partner ja nicht in derselben Art mitteilen, ob es gerade gut tut oder eher zwickt. Durch diese Vorübung können die Unmutsäußerungen des Hundes dann vielleicht schneller verstanden werden. Schließlich wurde die Praxis am Hund geübt. Spätestens am zweiten Seminartag freuten sich die Vierbeiner, wenn sie sich auf der mitgebrachten Decke zum Massieren bereitlegen durften.
In kleinen Schritten führte Jutta uns an die ganze Palette von Techniken (Streichungen, Knetungen, Rollungen, Reibungen und Schüttelungen) heran. Dabei wurden einige Seminarteilnehmer auf Schwachpunkte beim eigenen Hund aufmerksam. Jutta hatte hier für jeden genügend Zeit, um ganz individuelle Tipps zu geben. In diesem Zusammenhang wurden auch die Themen Krankheiten/ Verletzungen/ Verklebungen besprochen.
Ein Teil gehörte dem Tastbefund. Das Abtasten des Hundes im Stehen kann zwar nur oberflächlich sein, aber es kann Anhaltspunkte für mögliche Probleme geben. Kennt man die Reaktion seines Tieres bei diesem Tasten, fallen Veränderungen schnell auf. Deshalb kann man das nicht oft genug machen.
Einen sehr interessanten Schlusspunkt setzte Jutta mit der Ganganalyse. Jeder einzelne Hund wurde im Freien nacheinander ein Stück zum Gehen, eine Strecke zum Traben sowie zum Galoppieren animiert. Zuerst sollten die Teilnehmer rückmelden, was ihnen auffällt. Auch hier verstand es Jutta sehr gut alle Anwesende mit einzubeziehen. Alle Arten des Gehens konnten jetzt beobachtet werden: Der eine Hund schwankte wie ein Seemann an Bord eines Schiffes. Beim genauen Hinsehen, war dann auch klar warum: Er läuft meistens im Passgang. Der andere setzt die Beine sehr eng und stolziert wie auf einem Schwebebalken.
Ein weiterer kommt kaum in den Galopp, sondern trabt in einer Geschwindigkeit, die Speedy Gonzales Konkurrenz macht! - setzt dabei die Füße aber ganz perfekt. Die gesündeste Art des Gehens und Laufens ist, wenn sich der Hund relativ breit im Wechselgang fortbewegt.Auch hier wurde von Jutta wieder ganz individuell rückgemeldet, inwieweit man durch notwendiges Eingreifen des Hundehalters, Änderungen bewirken kann. Die Mischung des Seminars zwischen Theorie, Praxis, Beantwortung individueller Fragen, sowie den schönen Abschluss mit der Ganganalyse, hat Jutta sehr gut vermittelt. Außerdem bekam jeder Teilnehmer noch eine umfangreiche, gut lesbare Dokumentation zum Thema!
Das Seminar war aber auch durch die Vorbereitung der Tierheim Hoppers, die Kaffee und Kuchen vorbereitet hatten, rundum gelungen. Besonders schön war auch ein freiwilliges, gemeinsames Abendessen im Gasthaus Rose am Samstagabend.
Alles in Allem stellt sich für keinen der teilnehmenden Teams die eingangs aufgeworfene Frage. Es macht allemal Sinn, sich über Massage zu informieren - und das vielleicht auch nicht nur für den Hund....